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Ein weißes Wohnmobil parkt vor einem Hügel mit surrealen, bunt bemalten Felsen in einer Wüstenlandschaft.

Reisebegleiter

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Afrika-Durchquerung mit Hund

Adia, unsere Basenji-Hündin, die ihren Ursprung ja eigentlich im Kongobecken hat, gehört für uns dazu wie das Salz in der Suppe. Und so wie eine Suppe ohne Salz nicht schmecken würde, wäre eine Reise ohne Adia ein Erlebnis, das uns gar nicht behagen würde. Deshalb war es für uns nie eine Frage: Entweder mit Hund oder gar nicht.

Und ehrlich gesagt: Wer kann diesen Augen von Adia überhaupt widerstehen? Dieser innige Augenkontakt, den Adia uns tagtäglich schenkt, ist nicht nur für uns etwas ganz Besonderes. Unterwegs ist dieser Blick – zusammen mit ihrem Ringelschwanz – auch für die Menschen, die wir treffen, immer ein Herzensöffner.

Wir vergleichen Adia oft mit den Kindern von Overländern, die mit Familien reisen: Man hat eindeutig viel mehr Kontakt zur einheimischen Bevölkerung als jene Reisende, die mit ihren zum Teil übermächtigen Fahrzeugen in die Dörfer fahren und dabei eine gewisse Arroganz oder eine „Berühr-mich-nicht“-Stimmung vermitteln. Genau diese Distanz kann ein Hund unterwegs brechen, einfach weil er auffällt und Neugier weckt.

Wir wissen natürlich, dass das Reisen mit Hund in Afrika auch Herausforderungen birgt. In vielen Ländern werden Hunden Steine nachgeworfen, weil die lokale Bevölkerung sie eher meidet oder schlechte Erfahrungen gemacht hat. Doch dann kommen wir mit einem Hund, der in ihren Augen ganz anders ist. Ein Hund, den man streicheln darf und bei dem man nicht gleich mit einem Biss oder einem Angriff rechnen muss.

Adia hat als Basenji natürlich auch ihre ganz spezifischen Eigenheiten, derer wir uns auf der Reise ständig bewusst sein müssen. Da ist zum einen der enorme Jagdtrieb, der in ihr schlummert – kein Wunder, schließlich wurde ihre Rasse bei den Pygmäen im Regenwald intensiv für die Jagd eingesetzt.

In der westlichen Welt behaupten viele selbsternannte Hundeexperten oft, ein Basenji sei kaum erziehbar oder gar „dumm“. Wie Dummheit bei Hunden überhaupt gemessen werden soll, ist für mich bis heute ein Rätsel, doch entsprechende Studien setzen den Basenji beim Thema „Gescheitheit“ tatsächlich oft auf den letzten Platz.

Doch dieser schlechte Ruf rührt meist nur daher, dass diese Rankings lediglich den bedingungslosen Gehorsam, den sogenannten „Will-to-please“, bewerten. Während ein Schäferhund darauf wartet, Befehle auszuführen, ist der Basenji ein unabhängiger Denker. Er musste in der afrikanischen Wildnis eigenständige Entscheidungen treffen, um zu überleben. Was oberflächlich als Sturheit oder mangelnde Intelligenz ausgelegt wird, ist in Wahrheit eine hoch entwickelte Form von Eigenständigkeit. Adia hinterfragt die Dinge lieber, anstatt blind zu gehorchen – eine Eigenschaft, die sie in ihrer ursprünglichen Heimat zu einer perfekten Jägerin machte und sie heute für uns zu einer so faszinierenden Gefährtin macht.

Wir sind uns durchaus bewusst, dass dieser vermeintlich „dumme“ Hund uns aufgrund seines ausgeprägten Jagdtriebs viel Vorsicht abverlangt. Als Adia zum ersten Mal Affen direkt über sich in den Bäumen entdeckte, war sprichwörtlich der Teufel los. Wir kennen Adia zwar in Situationen, in denen eine Katze oder ein Eichhörnchen auf einem Baum sitzt, aber wenn Affen dasselbe tun, ist sie kaum wiederzuerkennen. Ihre Gehirnfunktion schaltet augenblicklich in einen absoluten Jagdmodus um, wie wir ihn aus der Schweiz bisher nicht kannten.

Vielleicht ist das Bild des Affen so tief in den Genen eines Basenji eingebrannt, dass dieser Instinkt selbst über Generationen hinweg immer noch vorhanden ist. Möglicherweise hat die Evolution ihnen genau diese Gene gesichert, um ihr Überleben zu sichern – Gene, die beim Anblick eines Affen auch heute noch so stark zum Tragen kommen.

Aus diesem Grund muss Adia fast immer an der Leine bleiben, es sei denn, wir unternehmen ausgedehnte Spaziergänge an den vielen Stränden, die wir auf unseren Reisen besuchen. Hier herrscht für sie wieder fast vollkommene Freiheit. Adia liebt es dann, Krebse zu jagen, die sich jedoch teilweise zur Wehr setzen und sie in die Nase zwicken. Aber daraus zu lernen, ist eine andere Sache – dafür ist der Jagdtrieb wohl einfach zu mächtig. Und so wurde Adia eben eher zur Krebsfängerin als zur Affenjägerin.

Wir denken, das ist auch gut so! Wer schon einmal das Gebiss eines Affen studiert hat, weiß genau, wie groß und stark es ist. Neben den Backenzähnen besitzen Affen beeindruckende Reißzähne, die bei einem etwaigen Kampf voll zum Einsatz kämen.

Auch dem Müll und den vielen Insekten, die einem Hund zusetzen können, ist großes Augenmerk zu widmen. Neben den Sandfliegen, die spezifische Krankheiten auf den Hund übertragen können, gibt es teilweise sehr aggressive Mücken, die nicht nur uns Menschen arg ärgern, sondern auch die Hunde. Somit ist ein guter Schutz – sei es tagsüber durch ein spezielles Halsband oder nachts durch eine Liegefläche, die vor diesen Plagegeistern geschützt ist – unerlässlich. Auch die monatliche Entwurmung ist ein absolutes Muss, das man nicht vergessen darf, da sich gerade Herz- und Lungenwürmer in Afrika stark ausbreiten. So führt Adia fast eine ebenso große Apotheke mit sich wie wir, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein oder ihr im Falle eines Unfalls sofort Erste Hilfe leisten zu können.

Grenzübergänge in Afrika sind für Hunde – außer im südlichen Afrika – kaum ein Hindernis. Von Hunden werden keine Visa verlangt; ein Impfausweis reicht meistens aus. Erst ab Namibia wird ein Hund bei einer Afrika-Durchquerung wirklich zur Herausforderung. Auf dieses Thema möchte ich in einem speziellen Bericht eingehen, da viele Overländer, die mit Hund reisen, dazu immer wieder Fragen haben. Die Odyssee, die wir in Angola bezüglich Adias Bewilligung für Namibia durchgemacht haben, möchten wir anderen Reisenden gerne ersparen.

Man sollte sich bewusst sein, dass ein Hund in Namibia und Südafrika kaum erwünscht ist. Selbst ein Restaurantbesuch kann dort zum Spießrutenlauf werden. Aufgrund der vielen Regeln und Verbote, die in diesen Ländern herrschen, lohnt es sich, separat auf diese Regionen einzugehen, damit andere von unseren Erfahrungen profitieren können. Denn bis nach Angola hinein überwiegen die Vorteile einer Reise mit Hund die Nachteile bei weitem.

Am meisten Sorgen bereitete mir der Rückflug, den wir von Anfang an eingeplant hatten. Uns war klar, dass dies für Adia ein Erlebnis sein würde, auf das sie wahrscheinlich gerne verzichtet hätte. Aber Adia ist vom Wesen her ein sehr robuster Hund und kaum schreckhaft. Manchmal hatten wir sogar das Gefühl, dass sie vor nichts Angst hat: Selbst Abgründe, die 300 Meter tief sind, sind für sie immer eine Beobachtung wert. Sie steht dann an der vordersten Kante – und wir? Wir stehen mit weichen Knien dahinter, weil uns der Mut verlässt. Zum Glück trägt Adia immer ein „Gestältli“ (Geschirr), an dem wir sie wie Bergsteiger sichern können, sollte wirklich einmal etwas passieren. Zum Glück war diese Sicherung bis heute nie nötig.

Aufgrund ihres Wesens waren wir uns fast sicher, dass Adia auch den Rückflug im Frachtraum gut überstehen würde. Wir haben zudem einen kleinen Trick angewendet: Schon sieben Tage vor dem Abflug musste Adia jede Nacht in ihrem Flugkäfig verbringen. So entwickelte sich die Box für sie zu einem vertrauten Rückzugsort, in den sie gerne schlafen ging. Es war daher keine Schwierigkeit, sie in den Käfig zu bringen. Mit ein paar Leckerlis bewaffnet, haben wir sie dann schweren Herzens bei der Sondergepäckabgabe abgegeben.

Wenn wir ehrlich sind, flossen bei uns ein paar Tränen, als wir Adia diesen langen Weg alleine zumuteten. Selbst jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, spüre ich genau, was ich ihr damals abverlangt habe. Aber es gab keine andere Wahl. Fast zwölf Stunden flog Adia allein diese weite Strecke. Als sie schließlich auf dem Transportband für die Käfige erschien, hörten wir sie schon von Weitem. Es waren ihre typischen Rufe – nicht laut, aber wir hörten sofort, dass sie uns mit ihrer feinen, eindringlichen Stimme vermisst hatte. Es hat uns fast das Herz zerrissen, aber diesmal nicht vor Schmerz, sondern vor Freude, Adia wieder in die Arme schließen zu können.

Ich drückte sie ganz fest an mein Herz, so wie sie es liebt. In dem Moment, als sie ihren Kopf an meine Brust schmiegte, wusste ich: Sie hat mir verziehen. Sie hat mir gesagt, dass jetzt alles wieder gut ist. So war Adia wieder Teil unserer Truppe, die die lange Reise durch Afrika miterleben musste – oder durfte. Ich bin nicht ganz sicher, ob es für Adia dasselbe Erlebnis war wie für uns, aber wir haben immer gespürt, dass sie lieber all die Strapazen mit uns gemeinsam durchstand, anstatt allein in der Schweiz zu bleiben. Das wäre ein viel zu großer Einschnitt in ihrem Leben gewesen.

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