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Das Ende

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Am südlichsten Ende Afrikas – und in Gedanken noch immer unterwegs

Nun am südlichsten Punkt von Afrika angekommen.

Der Weg hierher war lang, manchmal beschwerlich, oft voller Überraschungen und reich an Erlebnissen, die man kaum missen möchte. Wir durften Menschen begegnen, die uns mit Freundlichkeit, Offenheit und einer wohltuenden Herzlichkeit empfangen haben. Menschen, die in einer Armut leben, wie ich sie vor 40 Jahren schon einmal erlebt habe. Und doch gibt es auch das andere Afrika: das moderne Afrika, das neue Lebensweisen zeigt, den Wandel, die Entwicklung.

Was uns aber besonders aufgefallen ist, war der Stolz, den viele Menschen ausstrahlen. Ein Stolz, der nicht laut ist, sondern still und sichtbar im Alltag. So zum Beispiel jener Fischer, der jeden Morgen und jeden Abend seine Netze kontrollierte, die er zwischen dem Schilf im See ausgelegt hatte. Ein junger Mann, dem man ansah, dass er wohl täglich um sein Überleben kämpfen musste. Und trotzdem hatte er immer ein Lächeln für uns übrig. Für uns, die wir mit all unserem Luxus zwei Nächte an seinem See verbrachten.

Am dritten Morgen wollte ich ihm aus Dankbarkeit etwas schenken. Doch zu unserem Erstaunen wollte er unsere Geschenke nicht annehmen. Wir verstanden seine Sprache nicht, und er die unsere nicht. Und trotzdem haben wir verstanden, was er meinte: Für ihn war es so in Ordnung. Er wollte nichts von uns.

Vielleicht auch deshalb, weil er sich dadurch verpflichtet gefühlt hätte, uns ebenfalls etwas zu geben. Und dieses Geschenk wäre wohl ein Fisch gewesen — einer von denen, die er mit Mühe gefangen hatte und die er brauchte, um seinen Hunger oder den seiner Familie zu stillen. Ja, vielleicht konnte er auf keinen einzigen Fisch verzichten. Und gerade deshalb lehnte er unsere gut gemeinten Geschenke ab, weil das, was er mit seinen gefangenen Fischen hatte, für ihn von weit größerem Wert war als alles, was wir ihm hätten geben können.

Oder dieses Erlebnis in einem Gebiet, in dem noch vor nicht allzu langer Zeit Kindersoldaten im Bürgerkrieg kämpften.

Wir spürten diese Schwere besonders an einem Tag, der eigentlich ganz harmlos begann. Auf der Suche nach einem ruhigen Platz für die Nacht fuhren wir eine schmale Piste hinein in den Urwald. Der Dschungel wurde dichter, das Licht gedämpfter, die Geräusche intensiver. Nach einigen Kilometern öffnete sich der Wald – und plötzlich standen wir vor einem kleinen Dorf.

Es wirkte wie ein Bild aus einer anderen Zeit: Lehmhütten, Feuerstellen, spielende Kinder, Hühner, die über den Platz liefen. Die Menschen sahen uns, kamen sofort auf uns zu – offen, freundlich, neugierig. So, wie wir es auf unserer ganzen Reise immer wieder erlebt hatten. Sie sagten, wir seien willkommen, wir könnten bleiben. Ihre Gastfreundschaft war ehrlich, ihre Worte warm.

Und doch war da etwas. Etwas, das sich nicht greifen ließ.

Die Jugendlichen kamen näher, wollten mit uns sprechen. Sie stellten Fragen – und wiederholten sie kurze Zeit später, als hätten sie sie gerade erst zum ersten Mal gestellt. Ihre Augen wirkten leer, irgendwo weit entfernt. Ihre Bewegungen waren langsam, schwerfällig, als würden sie sich durch unsichtbaren Widerstand bewegen.

Die Stimmung war nicht feindlich. Nicht bedrohlich. Aber sie war eigenartig – bedrückend, fremd in ihrer Trägheit.

Und dann standen sie da: Spielautomaten, mitten im Dorf, betrieben mit Solarpanels. Ein surrealer Anblick im Herzen des Urwalds. Kein Stromnetz, kaum Infrastruktur, nicht einmal fließendes Wasser – aber blinkende Maschinen, die leise vor sich hin surrten.

Wir blieben, redeten, lächelten. Doch tief in uns wuchs ein Unwohlsein. Kein Angstgefühl. Kein Misstrauen. Eher eine stille, klare innere Stimme: „Hier stimmt etwas nicht.“

Also fuhren wir weiter.

Doch dieses Dorf fuhr mit. Die Blicke, die Sprache, die Atmosphäre – sie ließen mich nicht los. Ich wollte verstehen, warum diese Menschen so wirkten, warum ihre Ausstrahlung so anders war als in all den Ländern zuvor.

Erst später fand ich eine Erklärung. Eine, die mich traurig machte, weil sie so gut passte: Kush.

Eine synthetische Droge, billig, zerstörerisch, überall verfügbar. Ein Joint kostet nur wenige Cent – weniger als ein Ei, weniger als ein Stück Brot. Kush betäubt nicht nur den Körper. Es betäubt den Geist. Es macht langsam, stumpf, vergesslich. Es nimmt den Menschen das, was sie lebendig macht – ihren inneren Funken.

In vielen Dörfern bestimmt Kush den Alltag der Jugendlichen. Es ist eine billige Flucht. Ein täglicher Rausch. Ein kurzer Moment des Vergessens in einer Welt, die für viele noch immer von Schmerz und Erinnerungen geprägt ist.

Und während wir weiterfahren, merken wir:
Diese Begegnungen bleiben.
Und sie hören nicht einfach auf – sie gehen weiter, leise, irgendwo in uns.

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NB: Zu diesem Beitrag habe ich bewusst keine Bilder eingefügt.

Die Begegnungen wirken stärker, wenn jeder Leser seine eigenen Bilder entstehen lässt.

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