120 Tage – 15.275 km – 16 Länder
Ein Zwischenrückblick in eigener Sache
Nach 120 Tagen – das heißt vier Monate auf Achse mit Trudi, unserem Camper Sprinter 4x4 – zeigt der Tacho nun schon über 180.000 km an. Wir glauben, Trudi ist noch nicht müde; sie will weitere Abenteuer erleben.
Bis jetzt hat sie sehr hart arbeiten und tausende Löcher im Asphalt schlucken müssen – und hat dabei nie gejammert. Sie hat es einfach hingenommen und uns von Ziel zu Ziel geführt.
Jeden Tag, bevor wir losfahren, sage ich zu ihr: „Trudi, ich weiß, du wirst auch heute wieder ein paar Löcher schlucken müssen. Ich werde versuchen, alle zu umfahren oder sie ganz langsam anzugehen. Aber entschuldige bitte, wenn ich doch mal Schlaglöcher übersehe und du meterweite Sprünge machen musst.“
Ja, auch ich mache am Steuerrad Fehler. Auch ich schaue mir manchmal die wunderbare Gegend an und steuere dich in große Furchen. Trudi, du bist unsere Versicherung und wir glauben an dich! Danke.
Adia: Die Botschafterin unseres Rudels
Und da ist ja noch Adia, unsere Herzenssache, die Basenji-Hündin. Sie wurde nicht gefragt, ob sie mitkommen will – sie ist einfach voller Freude ins Fahrzeug gesprungen. Sie liebt Trudi, sonst würde sie nicht ohne jedes Jammern jeden Tag hineinspringen.
Auch Adia muss sich mit den Straßenverhältnissen auseinandersetzen. Ihr Schlafplatz liegt direkt über der Hinterachse, die manchmal starke Geräusche macht. Wenn es zu arg wird, kommt sie nach vorne zu unseren Füßen. Manchmal kommen Zweifel auf: Ist das ein Leben für einen Hund? Immer neue Gerüche, fremde Wege, ständige Strapazen?
Aber eines kann Adia besonders gut: Sie kann die Herzen der Menschen öffnen.
Die Menschen in Afrika sind es nicht gewohnt, Hunde an der Leine zu führen. Das löst zuerst Angst aus. Aber wenn wir erklären, dass Adia gestreichelt werden möchte, wird daraus eine vorsichtige Mutprobe. Es endet in einem Lächeln darüber, dass sie es geschafft haben, den Hund eines Weißen zu streicheln.
Genau diese Momente sagen uns: Adia gehört zu uns. Sie ist der Pol zwischen uns und den Menschen hier in Afrika.
Die ungeschminkte Wahrheit: Physisch und Psychisch
Wir, Christine und ich! Auch wir fragen uns, was wir alles erleben durften oder mussten. Uns ging es nicht immer gut:
Bauchschmerzen & Durchfall
Blasenleiden
Malaria & starke Schwindelgefühle
Es gab Wochen, da hatte Christine kaum Appetit und ich verzweifelte fast, weil ich nicht wusste, wie ich helfen konnte. Meine Malaria haben wir zum Glück im Frühstadium erkannt. Ich habe noch immer einen Druck im Kopf – vielleicht von den Medikamenten, vielleicht von der Hitze.
Ich glaube, es hängt mit der Verantwortung zusammen. Entscheidungen treffen, das viele Fahren, die ständige Konzentration. Mein Naturell kann die Verantwortung nicht einfach ablegen, auch wenn man es möchte. Jeder Tag kommt sowieso, wie er kommt – aber das ist leichter gesagt als gelebt.
Das Fazit: Warum sich alles lohnt
Ich habe hier bewusst in mein Inneres schauen lassen, um aufzuzeigen, dass die Reise eine große Herausforderung ist. Aber das Fazit dieser 120 Tage lautet:
So viele schöne Momente. So viele gute Menschen. Grandiose Natur. Die winkenden Menschen, Autofahrer, die den Daumen hoch zeigen, die Freundlichkeiten, die uns zugerufen werden – all dies überwiegt mehr als hundertfach die Strapazen, denen wir uns aussetzen.