079 251 25 68  Ferggerweg 5, 3380 Wangen an der Aare

Veterinär 2

Sie sind hier: Wohnmobile - Camper - Reisen & vieles mehr » Afrika 25/26 » Geschichten 26 » Veterinär 2

Nervenkrieg an der Grenze

Teil 2: Nervenkrieg an der Grenze und das Geschenk im BH

Nach der fünfstündigen Odyssee in Luanda und dem Dokument, das mich zum „Herrn Guten Morgen“ machte, hatten wir zum Glück noch eine zweite Adresse organisiert. Mit diesem neuen, hoffentlich korrekten Papier in den Händen machten wir uns endlich auf den Weg Richtung Süden. Die Erleichterung war gross, als wir nach vier Tagen Fahrt die Grenze zu Namibia erreichten. Wir dachten, das Schlimmste hätten wir hinter uns und die Tür nach Namibia würde sich nun endlich für uns öffnen.

Die Ausreise aus Angola war kein grosses Problem, abgesehen von den üblichen „Fixern“, die sich einem sofort aufdrängen. Sie belagern das Auto, wollen beim Geldwechseln betrügen und behaupten, man käme ohne ihre Hilfe nicht weiter. Aber diese Maschen kennen wir nach 18 Ländern ja zur Genüge. Wir blieben ruhig, ignorierten das Chaos und rollten schliesslich auf die namibische Seite.

Doch dann kam die Endkontrolle. Ein kurzer Blick zu uns im Fahrzeug, und die Beamtin fragte trocken: „Haben Sie einen Hund?“ Ich antwortete mit „Ja“ – und in diesem Moment ging das Theater erst richtig los.

Plötzlich reichten die normalen Papiere nicht mehr. „Wo ist das offizielle Import-Permit für Namibia?“, herrschte uns die Beamtin an. Ich erklärte ihr geduldig, dass wir das Permit drei Wochen vorher online beantragt und auch die 50 SFr. bezahlt hatten, es uns aber nie zugestellt wurde. Ihre Antwort war kurz und unnachgiebig: „Das hätten Sie in Windhoek abholen müssen!“

Ich versuchte ihr zu erklären, wie absurd das war: „Wie sollen wir ein Dokument in Windhoek abholen, wenn wir noch in Angola stehen und ohne dieses Papier gar nicht erst ins Land gelassen werden?“ Doch Logik half hier nicht weiter. Die Ansage war klar: Ohne dieses spezifische Permit geht es nicht nach Namibia. Wir müssten umkehren und zurück nach Angola.

Ich stieg aus, ging in den Unterstand an der Grenzkontrolle und setzte mich ganz einfach direkt neben die Dame, die als „Chief Veterinarian“ angeschrieben war. In solchen Momenten hilft nur eines: Nerven aus Stahlseilen und absolute Ruhe. Zu allem Unglück kamen noch die Fixer dazu, die immer lauter wurden und uns beschimpften, wir wollten sie betrügen, weil wir ihre „Dienste“ nicht zahlten. In diesem Chaos entschied ich mich für eine andere Strategie.

15 Minuten lang diskutierten wir. Sie liess nicht locker, sie war hart wie Stein: „Back to Angola!“ Ich merkte, dass ich mit Worten allein nicht weiterkam. Wenigstens wollte sie die Dokumente und E-Mails, die wir ihr gezeigt haben, mit dem Handy einlesen, um diese anscheinend weiterzusenden. Dann geschah etwas, das unser Glück war: Ihr Handy funktionierte nicht richtig, der Fotoapparat war wohl defekt. Sie musste aber unsere restlichen Dokumente irgendwie erfassen. Ich bot ihr sofort an, die Papiere mit meinem Handy einzulesen und ihr direkt zuzusenden.

Während wir über den Dokumenten hingen, kam ich ihr ganz nahe. Ich schrieb ihr eine kurze Nachricht auf dem Display, wie ich ihr denn „helfen“ könne. Ganz vorsichtig zeigte ich ihr einen Geldschein. Sie warf einen schnellen Blick darauf und machte ein unauffälliges Zeichen mit der Hand: Ich solle es nach unten halten, damit es niemand sieht.

Ich berührte kurz ihre Hand und gab ihr das „Geschenk“, so wie sie es gewünscht hatte. Wir mussten noch einen Moment warten, die Spannung war fast greifbar. Dann, mit einer flinken Bewegung, verschwand das Geld in ihrem BH. Plötzlich änderte sich die Stimmung. Es dauerte keine fünf Minuten mehr, und wir bekamen das Zeichen zur Weiterfahrt.

Sie gab uns dabei noch den guten Rat, dass wir uns vor den Fixern in Acht nehmen sollten. Diese würden einem manchmal mit dem Auto nachfahren und versuchen, einen zu stoppen, um mit Gewalt an Geld zu kommen. Wir schluckten kurz, gaben Gas und waren endlich in Namibia!

Grenzen und ihre Geschichten... Man bereitet alles vor, man bezahlt die offiziellen Gebühren, und am Ende lassen einen die Behörden trotzdem im Regen stehen. Es werden Dokumente verlangt, die sie selbst nicht zustellen, und man zahlt am Ende doppelt – einmal offiziell und einmal „diskret“. Aber nach dieser langen Reise wissen wir: In Afrika gewinnt nicht unbedingt der, der die besten Papiere hat, sondern der, der die Ruhe bewahrt und im richtigen Moment weiss, wie man eine Hand berührt.

Diese Website benutzt Cookies, um Ihnen das beste Erlebnis zu ermöglichen. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.