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Gorilla

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Camp Abio: Unsere Begegnung mit den Gorillas im Kongo

Teil 1: Die Anreise und das Leben als Overlander

Unsere Reise begann an der alten Fluglandepiste. Von dort aus glitten wir über eine meist sehr gute Straße in einem gemächlichen Tempo von etwa 70 km/h dahin. Die Route führte uns durch kleinere und größere Ortschaften, die interessante Einblicke und Angebote boten. Es war an der Zeit, unsere Vorräte an Eiern, Reis und Trinkwasser wieder auf Vordermann zu bringen. Kleine Geschäfte, die alles Notwendige führen, ziehen die Kunden magisch an – so auch uns.

Da wir für die Besitzer offensichtlich besondere Kunden waren, wurden wir dementsprechend zuvorkommend bedient. Spontan entwickelte sich daraus eine kleine „Fotosession“: Ein Foto mit dem Inhaber, mal gemeinsam, mal einzeln. Wohl ein willkommenes Motiv für seine Erzählungen am Abend zu Hause, wenn er von den eigenartigen Wünschen der Touristen berichtet. Für uns, die wir meist eine eher monotone Bedienung gewohnt sind, sind solche Begegnungen immer wieder kleine Highlights, die uns die Reise versüßen.

Auch unser Wassertank zum Kochen, Duschen und Abwaschen musste gefüllt werden. In der nächsten Ortschaft standen die Leute bereits Schlange an einem Wasserschlauch, der an große Wasserfilter angeschlossen war. Das war die Gelegenheit, uns einzureihen. Dabei spürten wir unsere privilegierte Rolle: Immer wieder ließ man uns in der Reihe gewähren, damit unsere 10-Liter-Kanister schneller gefüllt wurden. Warten scheint für uns „Weiße“ in Afrika oft anders interpretiert zu werden – wohl auch in dem Wissen, dass ein besonderes Trinkgeld als Dankeschön fließen würde.

Nachdem alle Besorgungen erledigt waren, hielten wir direkt auf das Camp Abio zu. Nach etwa 190 Kilometern zweigte die gute Straße in eine Piste ab, die definitiv nicht für jedes Fahrzeug geeignet ist. Hier war volle Konzentration gefragt: Die Bodenfreiheit erforderte ein wachsames Auge und die sandigen Passagen viel Feingefühl bei der Gasannahme. Für die 19 Kilometer „Pisten-Fingerspitzengefühl“ benötigten wir etwa 45 Minuten, bis wir schließlich wohlbehalten im Camp ankamen, das sich uns Overlandern von seiner einladenden Seite präsentierte. Den Nachmittag verbrachten wir im Austausch mit anderen Reisenden, die Astrids Fahrzeug bewunderten, bevor uns eine kühle Nacht tiefen Schlaf und Träume von den Gorillas bescherte.

Teil 2: Auf dem Léfini – Die Welt der sanften Riesen

Gegen 9:30 Uhr starteten wir unser Abenteuer auf dem Wasser. Mit dem Motorboot drangen wir tief in das weitläufige Flusssystem des Léfini vor. Schon bald zeigte sich, dass dieser Fluss voller Leben steckt: Nur Augen und Ohren lugten wie kleine Periskope aus dem Wasser – Flusspferde. In den Baumkronen am Ufer herrschte ebenfalls reges Treiben, als flinke Affen neugierig auf unser Boot hinabblickten.

Der absolute Höhepunkt war jedoch die Begegnung mit den Westlichen Flachlandgorillas. Es ist ein bewegender Moment, wenn der Motor plötzlich verstummt und man diese majestätischen Tiere beobachtet. Doch die Idylle wurde schnell von einer beeindruckenden Machtdemonstration abgelöst: Ein Gorillamännchen baute sich am Wasser auf, pustete sich auf und schlug so heftig auf die Oberfläche, dass die Gischt nur so spritzte. Machogehabe pur! Jetzt habe ich den Beweis, dass es dies nicht nur bei uns Menschen gibt.

Ganz anders präsentierte sich uns ein 17-jähriger „Teenager“-Gorilla. Er freute sich sichtlich über das Futter, das ihm zugeworfen wurde. Selbst rohe Zwiebeln verschlang er mit vollem Genuss. Die Ranger erklärten uns hier die schwierige Mission des Camps: Die Tiere müssen mühsam wieder an die natürliche Nahrung des Urwaldes gewöhnt werden. Gelingt dies nicht, können sie nie ausgewildert werden und bleiben ihr Leben lang – das bis zu 70 Jahre dauern soll – auf menschliche Hilfe angewiesen.

Dass dieser junge Gorilla allein dort saß, hatte einen traurigen Grund: Sein Gefährte wurde von einem Krokodil gefressen. Um die Tiere beim Trinken zu schützen, haben die Ranger nun kleine Zäune am Ufer gezogen. Es zeigt, dass selbst diese Muskelpakete in der freien Natur Feinde haben und lernen müssen, wachsam zu sein.

Teil 3: Natürlicher Schutz und Abschied

Der Schutz der Gorillas wird durch die Geografie des Flusses unterstützt. Riesige Inseln, die vom Fluss umspült werden, bilden eine natürliche Barriere gegen Wilderer. Erst ein Blick auf die Karte verdeutlicht, wie gewaltig diese Inseln sind.

Es war beeindruckend zu sehen, wie sicher unser Bootsführer die verborgenen Sandbänke umfuhr. Nach etwa 1 ¾ Stunden Fahrt mit einer „Bootspower“ von 12 km/h erreichten wir wieder unser Ziel. Dieser Vormittag gab uns einen Einblick in eine Welt, die uns sonst so fremd und verborgen bleibt. Ein herzliches Dankeschön an das Projekt, das durch internationale finanzielle Unterstützung diese wichtige Arbeit der Auswilderung überhaupt erst möglich macht.

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