Begegnungen auf dem Weg nach Südafrika
In Angola angekommen! Die ganze Westküste entlang ist es nun für uns nur noch ein Katzensprung bis nach Südafrika. Erleichterung macht sich auf der einen Seite breit, und dennoch: Ganz unten sind wir noch nicht!
Angola zählt hier in Afrika zu den Ländern, die nach ihrem Bürgerkrieg eine rasante Entwicklung nach vorne gemacht haben. Das Land ist schon seit einiger Zeit auf dem Weg weg vom Bittsteller-Dasein, hin zu einem prosperierenden und vorwärtsgerichteten Denken. Man merkt es sofort: Der Staub der kongolesischen Pisten legt sich langsam, und statt der improvisierten Marktstände am Wegesrand tauchen plötzlich moderne Supermärkte und Tankstellen mit funktionierenden Kaffeemaschinen auf – kleine Dinge, die sich nach den Wochen im Busch wie purer Luxus anfühlen. Erst kürzlich wurde zum Beispiel die Visapolitik neu überdacht – mit dem Wissen, dass der Tourismus ein wichtiger Faktor für neue Impulse und Arbeitsplätze sein kann. So wird heute das Visum für uns Schweizer direkt an der Grenze ausgestellt. Ohne langes Warten, Kontrollwahn oder Einschüchterung gegenüber den Touristen, wie wir es im vorhergehenden Staat, der DR Kongo, erleben mussten. Ja, Angola empfing uns mit offenen Armen, und die Straßenkontrollen, die es auch hier noch gibt, werden für uns Touristen zur Einladung, ohne Passkontrolle einfach durchfahren zu können.
Der Blick zurück auf die Begegnungen an der Straße würde ganze Bücher füllen. So wie die jüngste Geschichte der Gesundheitskontrolle bei der Ausreise aus dem Kongo nach Angola: Ja, wir wissen, dass wir für die Grenzüberquerung die Gelbfieberimpfung brauchen! Schon bei der Einreise wurde diese von der Gesundheitsbehörde der DRC an der Grenze kontrolliert. Dass die Kontrolle bei der Ausreise jedoch noch akribischer stattfinden würde, hatten wir so nicht erwartet.
Wir hatten das Gefühl, dass das Personal der Gesundheitsbehörde ein wenig sonderbar vorging. Als Erstes verlangte die Beamtin unsere Impfausweise, die wir ihr gerne überlassen haben – im Wissen, dass die Gelbfieberimpfung sauber und korrekt eingetragen war. Zuerst wurde mein Impfausweis inspiziert und ein paar Fragen gestellt: Welche Nationalität, welches Alter und wohin die Reise gehen soll. Diese Fragen waren noch verständlich, was jedoch folgte, ist für uns kaum nachvollziehbar. Da mein Impfausweis schon älteren Datums ist, war auf der ersten Seite nicht die Gelbfieberimpfung eingetragen, wie es bei neueren Ausweisen der Fall ist. Bei mir schmückte die Pockenimpfung die erste Seite. Diese wurde mir 1979 verabreicht, was für die Beamtin ein wenig erstaunlich war. Sie meinte, diese Gelbfieberimpfung sei ja schon lange her.
Was sollte ich dazu sagen? Sollte ich sie korrigieren, dass sie auf der falschen Seite liest, oder einfach nur mit den Achseln zucken? Nun, Achselzucken ist immer gut. Somit fing sie an, diese Impfung in ihr Buch einzutragen, samt Datum und Impfstoffnummer. Wie auch immer – es gab keine Beanstandung und der Ausweis wurde mir zurückgegeben.
Dann kam Christines Impfausweis an die Reihe. Da wurde der Ausweis in der Mitte aufgeschlagen und dieselben Fragen nach dem Alter gestellt. Ich hatte das Gefühl, dass die Lesekraft der Dame wohl nicht die beste war – oder sie schlief fast ein. Jedenfalls dauerte es lange, bis sie eine Zeile gefunden hatte, die sie wohl entziffern konnte, um etwas einzutragen. Für sie war klar: Christine hatte genug Impfungen. Dann folgte Astrids Impfausweis mit der letzten Seite. Auch dort fand sie eine Impfung, die sie nach langem Lesen eintragen konnte.
Wie und wo diese Bücher jemals gelesen werden, können wir nicht sagen, aber es war eine gewissenhafte Arbeit, die wohl im Nachhinein niemandem diente. Aber der Trost für unsere Geduld ist, dass die Gesundheitsbeamtin durch diese Arbeit wahrscheinlich einen spärlichen Lohn verdienen konnte. Deshalb möchten wir diese Geschichte auch als solche sehen: Wir wollen niemanden bloßstellen, sondern sie als ein tägliches Erlebnis betrachten, das zum Schmunzeln anregt.
Ganz anders auf der angolanischen Seite: Auch dort gab es eine solche Stelle, nur mit dem Unterschied, dass eine kurze und knappe Frage gestellt wurde: "Haben Sie eine Kopie vom Impfausweis?" Sehr gerne kramten wir in unseren Unterlagen, fanden eine Kopie, die sie entgegennahm, und damit war das Prozedere abgeschlossen.
Vor uns liegen immer noch ein paar tausend Kilometer Fahrt. Auch werden wir wohl noch ein paar Pisten ertragen müssen, aber wir haben die Gewissheit: Wenn uns oder dem Fahrzeug etwas geschieht, sind Hilfe und mögliche Reparaturen ab hier wohl besser zu bewerkstelligen. Somit wird die Sorge kleiner, dass es bei einer Panne nicht mehr weitergehen könnte. Wenn wir jetzt den Motor starten, klingt er für uns anders als noch vor einer Woche. Das tiefe Grollen des Diesels ist nicht mehr nur harte Arbeit, sondern der Rhythmus unserer Freiheit. Namibia und die Kalahari rufen – und wir freuen uns auf jeden Kilometer Asphalt, der uns diesem Ziel näherbringt.