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Angola

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Angola: Wo die Zukunft Chinesisch spricht und das Herz Portugiesisch schlägt

Zwei Wochen Angola liegen hinter uns – ein Land, das unsere Erwartungen an das „typische“ Afrika an jeder Straßenecke bricht. Wer hier archaische Zustände erwartet, wird von einer pragmatischen Moderne überrascht, die sich bereits im Straßenbild von Luanda und darüber hinaus manifestiert.

Ein Hauch von Europa auf dem Asphalt

Es sind die Details, die auffallen: Funktionierende Bremslichter, Autos neueren Jahrgangs und ein Fahrstil, der fast schon europäisch anmutet. Man respektiert den Blinker, man bremst (manchmal) sogar für Fußgänger. Es herrscht eine Ordnung, die man in den Nachbarländern oft vergeblich sucht. Doch der Blick auf die Kühlergrills verrät: Die Vorherrschaft europäischer Autobauer ist Geschichte.

Die lautlose Eroberung durch den Osten

Während Europa noch über Entwicklungshilfe und Flüchtlingspolitik debattiert, schafft China Tatsachen. Das Straßenbild wird von Marken dominiert, deren Namen in Europa kaum jemand kennt. Diese „Chinesierung“ ist im vollen Gange und folgt einem klaren Plan: China baut die Infrastruktur – Straßen, Brücken, ganze Stadtviertel – und sichert sich im Gegenzug den Zugriff auf die Ressourcen des Landes.

Riesige Werbeplakate mit chinesischen Schriftzeichen ragen in den Himmel; das Portugiesische darunter wirkt oft nur noch wie eine höfliche Unterzeile. Es ist ein Weckruf: China verkauft hier nicht nur Autos, es exportiert ein ganzes Entwicklungssystem. Wenn wir weiterhin glauben, Afrika brauche unbedingt europäische Produkte, ohne vor Ort zu investieren oder Fabriken zu bauen, verlieren wir diesen Wachstumsmarkt endgültig. In Angola gibt es hervorragend ausgebildete Ingenieure, die nur darauf warten, die Industrie ihres Landes aufzubauen. Wenn wir ihnen keine Perspektive bieten, wird die nächste Generation nicht mehr Englisch lernen, sondern Mandarin.

Zwischen Luxuskarossen und Ein-Franken-Tagen

Doch diese moderne Fassade hat tiefe Risse. Wie in vielen afrikanischen Ländern klafft die Schere zwischen Arm und Reich extrem weit auseinander – ein Kontrast, der besonders auf dem Land schmerzt. Da ist das modern anmutende Luanda, wo Fahrzeuge über den Asphalt rollen, die so viel kosten wie in Europa. Und nur ein paar Kilometer weiter liegt das Fischerdorf, in dem ein Mensch kaum mehr als einen Franken pro Tag verdient.

Wenn wir solche Gegenden bei unseren Spaziergängen mit Adia streifen, steigt ein ungutes Gefühl in uns auf. Es ist die unmittelbare Konfrontation mit der Ungerechtigkeit, die uns vor Augen führt, welches Privileg wir genießen, so behütet in Europa – und speziell in der Schweiz – aufgewachsen zu sein.

Die Sprache als Seele

Was Angola trotz der chinesischen Wirtschaftsmacht fundamental von anderen ehemaligen Kolonien unterscheidet, ist die Sprache. Während in vielen Ländern Englisch oder Französisch nur der Elite vorbehalten bleibt, ist Portugiesisch hier die echte Lingua Franca. Sie ist überall, sie ist tief verwurzelt und sie verbindet. Diese kulturelle Offenheit zeigt sich auch in der Gesellschaft: Die Vermischung der Kulturen und Hautfarben ist hier kein politisches Reizthema, sondern gelebte Realität.

Ein Sonntagabend als Hoffnungsschimmer

Nichts symbolisiert den Geist dieses Landes besser als ein Sonntagabend am Strand. Während die Sonne blutrot im Atlantik versinkt, vermischen sich portugiesische Fado-Klänge mit kreolischen Rhythmen. Menschen unterschiedlicher Herkunft singen Karaoke, lachen und tanzen zusammen.

Man darf nicht vergessen: Dieses Land hat Jahrzehnte des Krieges hinter sich – erst den Befreiungskampf, dann einen brutalen Bürgerkrieg, befeuert von den Großmächten. Dass heute, kaum 24 Jahre nach dem Friedensschluss, eine solche Atmosphäre der gegenseitigen Achtung herrscht, ist zutiefst beeindruckend.

Angola ist ein Land im Aufbruch. Es ist modern, es ist pragmatisch, und es ist uns kulturell näher, als wir denken – auch wenn die wirtschaftlichen Weichen gerade massiv Richtung Osten gestellt werden.

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