Warum wir reisen...
Eine Welt, mal atemberaubend und einzigartig. Warum reisen wir – und insbesondere nach Afrika? Was ist die Faszination dabei? Sehr oft werden wir dies gefragt. Können wir auf diese Frage jemals eine ehrliche Antwort geben? Oder sind es nur Ausflüchte, weil uns die wahren Gründe ja selber kaum bewusst sind?
Ja, sicher liegt in unserem Herzen ein Fernweh nach dem Fremden. In unserem engeren Umfeld gibt es nicht wenige, die uns sagen, dass sie eigentlich kein ausgesprochenes Fernweh in sich tragen, sondern dass sie sich viel lieber in ihrem gewohnten Umfeld bewegen. Für viele sind die Werte, die das Zuhause mit sich bringt, viel wichtiger, als das Fremde zu erkunden. Nun möchte ich nicht sagen, dass uns diese Werte nicht auch wichtig sind – auch wir lieben das Zuhause. Das Ruhige, Geordnete, in einem Umfeld von Freunden, die sich gegenseitig besuchen und unterstützen.
Aber schauen wir in unsere eigene Seele, so kommt doch etwas ganz Wichtiges zum Vorschein: Das Zeitfenster, das uns bleibt. Das Zeitfenster, Dinge tun zu können, die halt auch mal ein wenig verrückt erscheinen. Unsere Träume zu leben und zu erleben. Und deshalb gehen wir aus unserer Komfortzone und versuchen das zu erleben, was die Träume, die wir in uns tragen, immer wieder zeigen. Träume, die wir seit der Kindheit in uns tragen. Träume, die wichtig sind zu erleben – auch wenn sie manchmal fast zu Alpträumen werden.
So ist unser Reisen sehr oft von viel Geduld, Mühsamkeit und viel Improvisation umgeben. Man weiss fast nie, was dieser Tag bringen wird; wer, wie und wo unseren Traum zum mühseligen Tageswerk machen wird. So kann eine Strasse, die als Autobahn beginnt, plötzlich in eine Piste übergehen, die einen mit Schlaglöchern oder Sandpassagen völlig überrascht. Wenn das Vorankommen so erschwert wird, dass der angepeilte Übernachtungsplatz in weite Ferne rückt, dann fragt man sich des Öfteren: Warum zum Teufel tun wir uns das an?
Ja, dies ist die eine Sicht! Die andere ist: Das Fremde wäre uns nicht fremd, wenn es nicht so wäre – und deshalb muss es auch ertragen werden. Im Übrigen sind Pläne dazu da, um sie zu ändern. Und so bringt der Traum der Fremde täglich neue Überraschungen. Es gibt viele Wow-Effekte und viele Momente, in denen du sagst: Jetzt, gerade jetzt, musst du es geniessen. Sind es Trommeln aus der Ferne, die uns magisch ziehen, oder sind es einsame Sonnenuntergänge, die so voll Blut sind, dass es sich fast kitschig anfühlt?
Dies ist die eine Antwort, warum wir reisen. Eine andere ist jene, die vielen verborgen bleibt – selbst Menschen, denen wir auf der Reise begegnen oder die wir eine Zeit lang begleiten. Ja, die fremden Menschen, ob Kinder oder Erwachsene! Menschen, in denen wir das sehen, was uns so fehlt. Menschen, die in uns eine Wärme entfachen können, die nicht aus Mitleid entsteht. Sondern eine Wärme, die wir spüren, weil sie nur so ihr Leben meistern können. Sie wissen genau: Wenn sie lachen, haben sie bessere Chancen. Und Lachen tut der Seele so gut – besonders unserer eigenen Seele.
In meiner beruflichen Laufbahn habe ich in Meetings oft versucht zu erklären: Wenn wir den Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern können, so hat dies viel mehr Wert als alles andere. Ein Lächeln kann das Leben oft wieder lebenswerter werden lassen. Nur leider haben wir dies zu Hause schon oft vergessen. Vielleicht kommt bei einigen das Lächeln erst wieder zum Vorschein, wenn Alkohol im Spiel ist. Wir vergessen zu Hause oft, uns gegenseitig ein Lächeln zu schenken. Ein abgestumpftes Fragen „Wie geht es dir?“ – eigentlich wollen wir ja fast immer dieselbe Antwort darauf hören.
Aber hier in Afrika sind diese Fragen ganz ernst gemeint. Mit Hintergrund. Und obwohl das Gegenüber wegen der wirtschaftlichen Not so viel zu klagen hätte, schenkt er uns meistens ein Lächeln. Er weiss, dass mir dies besser tut als seine Klagen. Nun, ich bin ehrlich: Ich reise, um das Lächeln der Menschen zu empfangen. Denn ich habe in mir drin gemerkt, dass es mir besser geht, wenn wir uns gegenseitig anlächeln. Ich sehe in so vielen Menschen hier wirtschaftliche Armut, aber so viel innerliche Wärme, die mich ansteckt und all die Strapazen verblassen lässt.
Stolze Frauen, fast immer mit einem Kind am Rücken und auf dem Kopf eine Schüssel oder ein Wassereimer, den sie tragen. Diese anmutigen Frauen, die für ihre Kinder wohl alles tun würden – schon nur ihr Anblick tut uns gut, weil wir spüren: Klagen hilft nichts. Das Leben muss man akzeptieren, so wie es ist. Jede noch so schlichte Begegnung, sei es ein Blick vom Rücksitz eines Motorrads direkt zu uns ins Auto, so schnell kommt ein Lächeln auf oder gar ein sehr fröhliches Zuwinken. Man muss diese Momente einfach in uns aufnehmen und spüren.
Und dann die Kinder! Die Kinder mit ihrer Ehrlichkeit. Wenn sie mich sehen, schauen sie meine Haare an den Armen an, die bei mir besonders intensiv vorhanden sind. Diese Haare zupfen zu dürfen und mich dabei anzulachen... vielleicht denken sie, dass ich eher ein Gorilla als ein Mensch bin. Ja, die Kinder amüsieren sich daran. Jetzt könnte ich reagieren wie in der Schweiz und denken, das sei frech oder beleidigend. Aber hier unterwegs zu sein, löst das ein Wohlgefühl aus. Es zeigt mir, dass sie uns genau beobachten und in uns einen Menschen sehen, der nicht nur weiss ist, sondern auch etwas eigenartig mit den vielen Haaren.
Ja, wir reisen, um zu profitieren! Um unser Herz mit Wärme zu füllen! Ja, und wir reisen, weil es gut tut zu sehen, wie viel uns geschenkt wird.
Noch ein Tipp zu den Bildern: Ja, auch wir lieben Lagerfeuer und blutrote Sonnenuntergänge, auch atemberaubende Wasserfälle mit einem Regenbogen im Hintergrund. Ja, diese Bilder werden zu Hause wohl als das empfunden, was das Reisen ausmacht. Für uns ist dies jedoch nur ein kleiner Teil, den wir mit unseren Bildern zeigen können. Den eigentlichen Grund des Reisens – das Lächeln zu empfangen – musst du bewusst in unseren Bildern suchen. Das geht nicht, wenn diese nur oberflächlich auf dem Handy hin und her gewischt werden.