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Grenzgeschichten

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Grenz- und Polizeigeschichten

Das Nummernschild

Das Reisen in afrikanischen Ländern ist wie eine Wundertüte, wenn es um Grenz- und Polizeikontrollen geht. So gibt es sehr oft positive Überraschungen, aber auch Geschichten, die zum Schmunzeln anregen. Solche Momente verlangen von dir eine spontane, schlagfertige Art, die du nicht immer gerade zur Hand hast.

So geschehen in Lomé, als wir von der Immigrationsstelle, die unbedingt einen Sticker (Klebevisum) in unseren Pass machen wollte, zurückfuhren. Da standen, nachdem wir die Ampelkreuzung überwunden hatten, zwei Polizisten, die uns aufhielten und uns baten, doch zur Seite zu fahren. Natürlich gehorchten wir der Aufforderung und stellten unser Auto ab, öffneten das Fenster und fragten ganz freundlich, was der Grund sei, warum wir aufgehalten wurden. Daraufhin wollte er die Fahrzeugpapiere. Diese händigte ich ihm pflichtbewusst aus und fragte noch mal, warum ich angehalten wurde.

Der Polizeibeamte erklärte mir, dass er mein Nummernschild nicht lesen könne und uns deswegen aufgehalten hätte. Im ersten Moment war meine Vermutung, dass ich vielleicht das Nummernschild verloren habe, und stieg deswegen aus, um zu schauen, ob es noch da ist. Tatsächlich war es vorne noch ganz fest am Fahrzeug verankert. Nun meine Frage: Warum er es nicht lesen könne? Er erwiderte mir, dass es zu klein geschrieben sei und dass so kleine Nummernschilder in Togo nicht erlaubt sind.

Nun, was erwiderst du darauf? Ja sicher, dass dies die Original-Nummernschilder der Schweiz seien und diese sehr wohl auch im Togo akzeptiert werden müssen, da unser Fahrzeug so ja in der Schweiz zugelassen sei. Für ihn muss ein Nummernschild größer sein, damit er die Nummer besser lesen kann. So gab es eine Diskussion und er fragte mich, ob ich nicht ein Geschenk hätte, damit ich keine Strafe bekommen würde.

Strafe wegen dem Original Schweizer Nummernschild? Das konnte ich nicht gelten lassen und ich erklärte ihm, dass wir prinzipiell keine Geschenke machen. Und wenn etwas nicht in Ordnung sei an unserem Fahrzeug, dass wir dies sofort in Ordnung bringen würden! Aber unser Nummernschild sei in Ordnung und wir glaubten, dass er nur einen Vorwand suche, um uns ein sogenanntes Geschenk abzuringen. „Nein“, war klar meine Antwort. Einer Korruption wollen wir Einhalt gebieten.

Nun kam der zweite Polizeibeamte dazu und erklärte, dass er ja nur nach einem Geschenk gefragt habe und nicht nach Geld. Ich sagte den beiden, ein Geschenk sei dasselbe wie Geld und wir taxieren das als einen Versuch, die Korruption zu umgehen, indem mir unter Vorwand ein Mangel am Auto aufgezeigt wird.

Ich hatte dann genug von den Diskussionen und sagte Christine, sie soll mir mein Handy geben, damit ich bei der Korruptionsstelle in Togo anrufen kann. Über meine Suche auf Google bekam ich sehr schnell die Telefonnummer dieser Stelle und ich zeigte ihm, was ich in Google gefunden habe, mit der Drohung, nun diese Stelle anzurufen. Daraufhin verschwand der zweite Polizist wieder mit der Erklärung, dass sie ja nur nach einem Kaffee gefragt hätten.

„Ein Kaffee? Hier auf der Straße? Sie meinen wohl Geld für einen Kaffee, und das ist Korruption!“ Ich erklärte nochmals: Wenn er mir die Fahrzeugpapiere nun nicht zurückgebe, werde ich anrufen und den Fall melden. Dies wollte er wohl nicht und gab mir die Papiere zurück und erwähnte nochmals, dass er kein Geld wollte, sondern nur ein Geschenk. Ich stieg wieder ins Auto und fuhr ohne weiter zu warten davon, weil ich wusste, dass er nun Angst hatte, dass er wegen Korruption angeschwärzt würde.

Grenzgeschichte Benin-Nigeria

In Nigeria an einem kleinen Zoll die Grenze zu passieren, kann auch schöne Erinnerungen bedeuten – Erinnerungen der Menschlichkeit und der Anteilnahme. So geschehen, als wir von Benin nach Nigeria eingereist sind.

Die Benin-Seite: Die Suche nach dem Phantom-Stempel

Ein kleiner Zoll heißt eben auch, dass vielleicht nicht alle nötigen Behörden vor Ort sind. Auf der Benin-Seite mussten wir einen Umweg von über 20 km fahren, weil zuerst niemand bereit war, unser Carnet de Passage abzustempeln. Immer wieder wurden wir zur nächsten Stelle weitergeschickt mit der Aussage, die nächste Zollkontrolle werde das Carnet schon abstempeln.

Am Schluss, bei der Fremdenpolizei zur endgültigen Ausreise, fragten wir, wo sich denn nun der Zoll befinde. Die Antwort war ernüchternd: Er befand sich genau dort, wo wir ganz zu Anfang nachgefragt hatten! Also hieß es: 10 km Schlaglochpiste zurückfahren, um das Prozedere von vorne beginnen zu lassen.

Der Zöllner als „Azubi“

Zurück bei der ersten Anlaufstelle wollte der Zöllner immer noch nichts vom Abstempeln wissen. Erst als ich ihm energisch erklärte, dass er es tun muss, suchte er in seinen Schubladen nach den Stempeln. Fünf Stück hat er gefunden, jedoch passte nach seiner Ansicht keiner. Ich hatte den Verdacht: Er wusste schlichtweg nicht, was er tun sollte.

Ganz freundlich sagte ich zu ihm: „Zeigen Sie mir Ihre Stempel, damit ich Ihnen sagen kann, welchen Sie nehmen können.“ Ein oval-runder Stempel schien mir passend, da darauf stand: Douane Benin. „Nehmen Sie diesen!“, sagte ich zu ihm. Nun sah ich aber, dass er immer noch nicht wusste, wie es weitergeht. Er konnte das Kleingedruckte auf dem Formular nicht lesen.

Kurzerhand nahm er sein Handy und versuchte, den Text mit der Lupe auf dem Display zu vergrößern. Das gelang ihm zwar, aber der Inhalt blieb ihm wohl ein Rätsel. Also übernahm ich die Regie: Mit dem Finger zeigte ich ihm, dass er hier „Benin“ reinschreiben muss. Hier das Datum, hier der Ortsname und hier bitte seine Unterschrift. Den Stempel darauf zu setzen, wurde zur nächsten Hürde, weil der Stempel fast zu groß für das Feld war. Aber was soll’s! Zum Schluss musste er noch den unteren Teil des Formulars abtrennen, um ihn an seine obere Behörde zu senden. Ob er diesen Teil danach ordnungsgemäß ausgefüllt hat? Das entzieht sich meinem Wissen.

Die Nigeria-Seite: Einreise per Motorrad-Eskorte

Nachdem wir die 10 km Schlaglochstraße zum zweiten Mal hinter uns gebracht hatten, funktionierte die Ausreise endlich. Wir fuhren über die Grenzlinie, wo uns direkt ein Beamter in Empfang nahm. Er erklärte uns, dass er mit dem Motorrad da sei und uns zur Einreisestelle führen werde. Diese befand sich erstaunlicherweise etwa 1,5 km entfernt im Landesinneren und nicht, wie üblich, direkt auf der Grenzachse.

Dort mussten wir die Fahrzeuge abstellen, um in ein Gebäude zu gehen, wo unsere Einreisevisa kontrolliert wurden. Nach etwa 20 Minuten Warten und ein wenig afrikanischem „Small Talk“ gab es eine kurze Diskussion, warum Christine und ich keine „Landing Card“ ausgedruckt hatten. Unsere Mitreisenden hatten Visa von der Botschaft und brauchten diese Karte nicht – wir mit unserem E-Visum eigentlich schon. Doch nach der Erklärung wurden auch in unsere Pässe die Einreisetempel gedrückt.

Man muss dazu sagen: Ein Visum für Nigeria zu bekommen, ist oft ein sehr schwieriger und teurer Weg. Dass es am Ende so menschlich und fast schon familiär zuging, war eine der schönen Überraschungen dieser Reise.

Zoll Nigeria: Zwischen Kontroll-Wahnsinn und tiefer Menschlichkeit

Nachdem wir endlich die Einreisestempel im Pass hatten, stellten wir die alles entscheidende Frage: „Und wo ist der Zoll?“ Die Antwort war typisch afrikanisch: „Den Zoll gibt es hier nicht. Ihr müsst in den nächsten größeren Ort fahren. Einfach losfahren!“ Kein Zoll an der Grenze? Ja, eben Afrika.

Der Kontroll-Marathon

Wir machten uns also auf den Weg zum nächsten größeren Ort, in der Hoffnung, dort jemanden zu finden, der unser Carnet de Passage abstempelt. Was dann folgte, war der pure „Kontroll-Wahnsinn“ Nigerias. Ohne zu übertreiben: Sicher alle zwei bis drei Kilometer kam eine Kontrolle! Polizei, Immigration, und dann wieder eine andere Polizeieinheit, um das Ganze von vorne beginnen zu lassen.

Sicher 20 solcher Stellen auf nur 30 Kilometern. Man kommt mit gefühlten 20 km/h vorwärts, während der Abend immer näher rückt. Endlich erreichten wir den größeren Ort. Zum Glück hatten unsere Mitreisenden „Adleraugen“ und entdeckten eine Zollstelle, die fast unbemerkt als solche angeschrieben war. Wir fuhren auf den Hof und baten um den Stempel. Die Antwort: „Der Chef kommt gleich und wird euch in Empfang nehmen.“

Vom Zöllner zum Gastgeber

Der Chef kam, und der obligatorische Smalltalk begann. Da es schon später Nachmittag war und es dem Hund unserer Mitreisenden Astrid sehr schlecht ging, hatte ich das Gefühl, dass dies hier ein guter und sicherer Platz zum Übernachten sein könnte. Weitere Strapazen wollten wir dem Tier nicht zumuten.

Ich fragte den Zollchef, ob wir hier übernachten dürften. Sofort bezeichnete er uns als seine persönlichen Gäste und wies uns einen schönen Platz unter einem Baum hinten im Hof zu. Als Willkommensgeschenk erhielten wir 24 Dosen Ananassaft, die wir unter uns dreien aufteilten.

Ein würdiger Abschied

Dass der Abend mit dem Tod von Amant, Astrids Hund, endete, war für uns alle ein schweres Trauerereignis. Doch auch hier zeigte sich die außergewöhnliche Menschlichkeit der Nigerianer. Der Zöllner übermittelte uns seine tiefe Anteilnahme und bot an, Amant in seinem Garten zu begraben. Sein Arbeiter würde das Grab für ihn ausheben.

Inmitten der Trauer war dies eine große Erleichterung für uns: Amant bekam ein würdiges Grab in Nigeria, und das dank des Zollchefs. Dieser großartige Mensch wollte sogar noch einen Tierarzt organisieren, doch dafür war es leider schon zu spät.

Ja, Afrika ist manchmal hart und für uns Europäer nicht immer logisch. Aber Afrika ist so unglaublich menschlich – und genau so erobert es immer wieder unsere Herzen, selbst in Stunden tiefer Trauer.

Den Stempel im Carnet bekamen wir übrigens am nächsten Tag. Nicht vom Chef der Stelle, sondern vom regionalen Vorgesetzten persönlich, der sich diese Ehre nicht nehmen lassen wollte. Hier kann ich einfach nur schreiben: Danke, Afrika, dass es bei dir so wunderbare Menschen gibt!

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